Kultur und Geschichte zum Anfassen – Musik, Museum und Mehrsprachigkeit in Detmold

kinder_ausstellung„Was haben diese bunten Koffer mit der Geschichte der Deutschen aus Russland zu tun?“ – Fragten sich kleine und große Teilnehmer des Seminars: „Geschichte kennen und Zukunft gestalten –  Identität und Integration Hand in Hand“. Der JSDR e. V. und der SKV-Adler e. V. bereiteten Kulturinteressierten eine spannende Tagung zur Geschichte der Deutschen aus Russland untermalt mit musikalischen Klängen und einer Autorenlesung. Die russlanddeutschen Autoren Edgar Seibel und Artur Rosenstern waren zu Gast.

Die lebendige Kultur der Deutschen aus Russland hat viele Facetten. Musik und Literatur sind zwei Künste, die die Herzen berühren. So auch am dritten Adventswochenende in Detmold. Allexander Böttcher referierte zur Geschichte der Deutschen aus Russland und regte den Austausch zur eigenen Identität an. Geschichte zum Anfassen erlebte die ganze Gruppe im Museum für russlanddeutsche Kulturgeschichte in Detmold. Für den Spritzer Bewegung, Spiel und Spaß sorgte Igor Kraus mit Aktionsspielen, die auch im JSDR Sommercamp 2013 zum Einsatz kamen.

lesungAm Abend konnte man dem Thema Kultur und Identität auf neue Art lauschen. Die russlanddeutschen Autoren Edgar Seibel und Artur Rosenstern lasen aus ihren Werken, beleitet wurden sie von den Musikern Ella Deppe und Alexander Root.

Edgar Seibel sagt dazu: „die Mitglieder und Freunde des JSDR boten mir ein Bild des Aufschwungs innerhalb der russlanddeutschen Gemeinschaft. Man weiß hier, wie wichtig es ist, junge Leute zu erreichen, sie zu verstehen. Die Autorenlesung wurde durch Musik in den für die Deutschen Russlands wichtigen Sprachen – dem Deutschen, dem Russischen und auch dem Platt – unterstützt. Mit persönlich gefiel es zu sehen, dass man internationale Kontakte mit den russlanddeutschen Communities pflegt, was für die Existenz dieser Volksgruppe, ja für ihre Zukunft allgemein, von hohem Wert ist.“

Das Seminar hatte auch interkulturelle Momente, wie der folgende Ausschnitt aus Edgar Seidels aktuellen Buch “Volksgruppe Unbekannt – Eine Familie unter Stalinwahn und Volksidiotie“ zeigt:
,, … Da stellte mir einer meiner kosovarischen Freunde Burim die berühmte Frage, warum ich denn Deutscher sein wolle. Es beschäftigte ihn, was ich denn an diesen Leuten so bewundernswert fände. Ich kriegte diese Frage nicht selten von Immigranten (und manchmal sogar Deutschen) gestellt. Meine eigene Ahnung auf diesem Gebiet begann sich zu erhärten, weswegen ich nun mehr verstärkt daheim zu Büchern griff. Ich erwiderte Burim mit: ,,Ich will kein Deutscher sein, ich bin einer. Verstehst du? Ich stamme von diesem Volk ab, zu Hause geht man einer Kultur nach, die sich von der der Russen unterscheidet.“ ,,Aber die unterscheidet sich doch auch von den Deutschen.“, meinte Shkelqim zusätzlich. Ich: ,,Ja, da hast du recht, aber auch von den Russen.“ Agron meldete sich zum Gespräch: ,,Die Sache ist im Grunde nicht schwer, Kollegen. Ich bin Kosovo-Albaner, allerdings weiß ich, ich bin anders als die Menschen aus Albanien. Und jetzt auch schon etwas anders als die im Kosovo …“ Zef:,, Ah, Edgar, du bist “Russlanddeutscher“. In Jugoslawien haben früher ein paar deutsche Gruppen gelebt … Doch die meisten sind heute doch eh vermischt.“ Dem letzten Satz stimmte ich nicht zu, nickte nicht, Zef begriff meine Haltung … “

„Geschichte kennen und Zukunft gestalten.“, beides beginnt mit Begegnung, Austausch und Gemeinschaft, diese Erkenntnis lag in der Luft, als sich die Teilnehmer verabschiedeten.